Donnerstag, 7. Juli 2022

5.000 Euro für drei Monate Nicht(s)Tun in Heilbronn

Stipendium für Nicht(s)-Tun

21. April 2022, 13:05 Uhr

Bis zum 26. Juni 2022 können sich alle Bürger:innen der Stadt und des Landkreis Heilbronn auf das Stipendium für Nicht(s)-Tun bewerben: Die mit jeweils 5.000 Euro dotierte Förderung für freudvolle Unterlassung wird an drei Bürger:innen vergeben, die für drei Monate etwas nicht tun.

Das Stipendium ist Herzstück des Kunst- und Stadtentwicklungsprojektes »Hauptstadt der Folgenlosigkeit«, das am 6. Mai mit einem Festwochenende startet. Mit zahlreichen Akteur:innen und Partnerinstitutionen in Heilbronn und einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm geht das Projekt über ein Jahr lang der Frage nach, wie ein Leben aussehen könnte, das keine negativen Folgen für andere hat.

Was könnte ich unterlassen, um der Gesellschaft, der Umwelt und mir selbst Gutes zu tun? Von welchen Denk- und Verhaltensweisen könnte ich mich lösen, um mich und andere nicht zu schädigen? Ob Lob der Faulheit oder Wunsch nach nachhaltigem Wandel: Alle Personen, die in der Stadt oder im Landkreis Heilbronn wohnen, sind eingeladen, sich mit ihren Ideen für das Nicht(s)tun auf das mit 5.000 Euro dotierte Stipendium zu bewerben. Die drei Gewinner:innen werden in einem basisdemokratischen Verfahren von allen Teilnehmenden ermittelt und verpflichten sich, bis Oktober 2022 ihre Vorhaben umzusetzen. Eine der Ideen wird schließlich am Ende der Stipendienlaufzeit zum Vorbild gekürt, dem alle Teilnehmenden gemeinsam für weitere drei Monate folgen – und so das Nicht(s)tun in die Stadt tragen.

Hier geht es zur Bewerbung.

© Ingo Offermanns

Im Spannungsfeld von Folgen und Folgenlosigkeit an der Hochschule Heilbronn

Tagung Ökonomie & Ethik: Letzte Ausfahrt Folgenlosigkeit?

29. Juni 2022, 12:53 Uhr

Am 20. Mai 2022 luden Professor Roland Pfennig und Professor Daniel Deimling am Bildungscampus Heilbronn zur Tagung Ökonomie & Ethik mit dem Titel »Letzte Ausfahrt Folgenlosigkeit?« ein. Als Zuhörer:innen gekommen waren Studierende der Hochschule sowie interessierte Bürger:innen.

Roland Pfennig sprach ein Grußwort und führte fundiert in die Thematik ein. Da Konzepte wie Postwachstum oder Gemeinwohlökonomie bislang noch nicht zu einer Lösung der multiplen Krise beigetragen hätten, sei Folgenlosigkeit vielleicht der letzte Ausweg.

Daniel Deimling stellte in seinem Vortrag den wissenschaftlichen Kenntnisstand hinsichtlich Klimawandel und Ressourcenverbrauch dar. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts zwischen 3 und 4 Grad Celsius liegen wird, liegt bei 95 Prozent. Großräumige Zivilisationen seien dann nicht mehr möglich, so die Autoren einer Studie, die im Vortrag angeführt wird. Wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, müssten wir in Deutschland unseren CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr um 75 Prozent senken, unseren gesamten Ressourcenverbrauch um 80 Prozent, um auf ein naturverträgliches Maß zu kommen. In einer solchen Welt, so Deimling, sei kein Platz für Öl und Gas, kein Platz für internationale Wertschöpfungsketten und kein Platz für Automobile.


Professor Bernhard Ungericht von der Universität Graz, der kürzlich sein neues Buch »Immer-mehr und Nie-genug! Eine kurze Geschichte der Maßlosigkeit« veröffentlich hat, referierte nicht nur über die drängenden Probleme in Ökonomie, Gesellschaft und Bildung, sondern auch über zukunftsfähige Alternativen. Eine besondere Rolle schrieb er der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung an den Universitäten zu. Viele wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten seien heute eher Verdummungseinrichtungen denn Bildungseinrichtungen, so der Referent mit feiner Polemik. Als Bausteine einer zukunftsfähigen Ökonomie sieht er kooperatives Wirtschaften, Wirtschaftsdemokratie, kleinteilige regionale Wertschöpfungsketten, Genügsamkeit und Gemeinwohlorientierung. Für einen solchen Wandel müsse in erster Linie der Macht der Eliten gebrochen werden, so Ungericht.


Susanne Henkel von der Richard Henkel GmbH übernahm die Rolle der Praktikerin und referierte einerseits ebenfalls über die Probleme der heutigen Wirtschaftsweise und der heutigen Unternehmenskonstitution. Andererseits berichtete sie darüber, was ihr Unternehmen anders macht, um möglichst folgenlos zu bleiben. Die Richard Henkel GmbH setzt seit jeher alles daran, um den Ressourcenverbrauch auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Dies beginnt damit, dass die Produkte, die das Unternehmen herstellt, auf maximale Langlebigkeit ausgelegt sind. Vieles kann man sich hierbei von der Natur abschauen, so Susanne Henkel. Das Unternehmen nutzt immer wieder die Bionik, um ihre Produkte zu optimieren. Sollbruchstellen kennt das Unternehmen nicht. Die Fokussierung auf Langlebigkeit impliziert natürlich, dass die Produkte reparabel sind und somit über Generationen genutzt werden können. Zudem legt das Unternehmen alles daran, Stoffkreisläufe zu schließen, jeglichen Ressourcen- und Energieinput zu minimieren und nach Möglichkeit keine Abfälle zu produzieren.

Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion mit allen Referent*innen, die von Dr. Bernhard Stumpfhaus geleitet wurde. Das Podium diskutierte darüber, wie man zu einer folgenlosen Wirtschaftsweise gelangen kann und welche Hemmnisse es gibt.

Ausschreibung

Preis der Heilbronner Bürgerstiftung 2022

26. Juni 2022, 15:12 Uhr

Die Heilbronner Bürgerstiftung beteiligt sich mit ihrem diesjährigen Preis „Nicht(s)Tun – ein Projekt der Entschleunigung und bewussten Unterlassung“ an der Aktion „Heilbronn – Hauptstadt der Folgenlosigkeit“, einem diskursiven Kunst- und Stadtentwicklungsprojekt, an dem sich ein Jahr lang die ganze Stadtbevölkerung beteiligen kann. Es geht darum, wie ein Leben aussehen könnte, das keine negativen Folgen für andere hat. Was könnte man unterlassen, um der Gesellschaft, der Umwelt und einem selbst Gutes zu tun? Von welchen Denk- und Verhaltensweisen könnte man sich lösen, um sich und andere nicht zu schädigen?

Ausgeschrieben ist der diesjährige Preis ausschließlich für Kinder und Jugendliche in Heilbronn, die sich sowohl einzeln oder in Gruppen, zum Beispiel Schulklassen oder Vereinsteams, beteiligen können. Bei Gruppen dürfen einzelne Gruppenmitglieder auch über 18 Jahre alt sein, so lange sie in der Minderheit sind.

Eingereicht werden bis zum 23. September 2022 können durchgeführte Projekte oder kreative Projektgedanken. Das Projekt muss ausführlich beschrieben sein. Fotos, Audio- und Videomaterial können zusätzlich eingereicht werden.

Zum Bewerbungsformular

Von einer Jury werden die eingereichten Bewerbungen bewertet, drei davon besonders ausgezeichnet: Für den 1. Platz gibt es 1.000 Euro und den Award der Heilbronner Bürgerstiftung, für den 2. Platz 750 Euro, für den 3. Platz 500 Euro. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung der Heilbronner Bürgerstiftung am 12. Oktober.

Die Bewerbung muss bis spätestens 23. September 2022 eingegangen sein:
Heilbronner Bürgerstiftung, Marktplatz 1, 74072 Heilbronn
oder E-Mail: geschäftsstelle@heilbronner-buergerstiftung.de

Termine

Heilbronner Wissenspause: Folgenlosigkeit

Montag, 11.07.2022 — 12:30

Deutschhof Heilbronn

Folgenlosigkeit - ist das möglich? Einer Antwort auf diese Frage kann man sich auf ganz verschiedene Weise annähern. Auch die sommerliche Gesprächsreihe "Heilbronner Wissenspause" wird sich damit auseinandersetzen.

Die „Heilbronner Wissenspause“ befasst sich im Sommer 2022 an zehn Terminen jeweils mit Themen, die für Heilbronn in der Vergangenheit von Bedeutung waren, die in der Gegenwart wichtig sind und die auch in der Zukunft Relevanz haben werden. Die Frage nach den Folgen des Tuns ist zweifellos sowohl für die Gegenwart als auch für die Zukunft wichtig. Darüber soll in der "Wissenspause" am 11. Juli 2022 (12:30 Uhr im Großen Deutschhof in Heilbronn) gesprochen werden. Es wird bei dieser Veranstaltung im Deutschhof darüber hinaus aber auch der Frage nachgespürt werden, ob die Beschäftigung mit den Folgen oder gar das Ideal der Folgenlosigkeit auch schon in der Heilbronner Geschichte eine Rolle gespielt hat. Kostenlose Tickets können über Diginights gebucht werden.

Kochkurs: Vegane Küche – indisch

Mittwoch, 13.07.2022 — 18:00

Volkshochschule Heilbronn — Anmeldung

Übungen für ein anderes Leben

Stipendium für Nicht(s)-Tun: Eine Nacht der verrückten Ideen in der Hauptstadt der Folgenlosigkeit

Samstag, 16.07.2022 — 18:00

Maschinenfabrik Heilbronn — Anmeldung