Sonntag, 27. November 2022

DAS NICHT(S)TUN-KOLLEKTIV

EIN AUFRUF ZUM ANDERS SCHENKEN

18. November 2022, 12:25 Uhr

Schenken ohne Kommerz: Die „Hauptstadt der Folgenlosigkeit“ lädt dazu ein, dieses Jahr das Wertvollste zu verschenken, das wir besitzen, unsere Zeit und unsere Fähigkeiten. Als Ergebnis des vielbeachteten Stipendium für Nicht(s)tun hat das Kunst- und Stadtentwicklungsprojekt nun eine Plattform ins Leben gerufen, über die Heilbronner:innen ab sofort ihre Expertise und ihre Talente kostenfrei ihren Mitbürger:innen zur Verfügung stellen können. Das Nicht(s)tun-Kollektiv will das soziale Miteinander in der Stadt fördern und zugleich eine Alternative zu übermäßigem Konsum in Krisenzeiten bieten.

„Aufgrund der aktuellen Energiekrise wird alles teurer. Viele können es sich nicht mehr leisten, anderen ein schönes Geschenk zu kaufen. Das ist traurig – aber auch eine Chance, unser kommerzielles Verhältnis zum Schenken zu überdenken“, sagt Friedrich von Borries, Architekt, Designtheoretiker und als künstlerischer Leiter der „Hauptstadt der Folgenlosigkeit“ Unterstützer des Nicht(s)tun-Kollektivs. Die Plattform geht auf eine Initiative von Jonas Kachel zurück, der als einer der drei Gewinner*innen des mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Stipendium für Nicht(s)tun von Juli bis Oktober 2022 für 20 unbekannte Haushalte in Heilbronn unentgeltlich kochte, um ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung zu setzen. Nun begeistert er andere für seine Idee des Teilens von Können und Talent.
Ob Coaching oder Mediation, Hilfe bei IT-Fragen, Beratung für pflegende Familienangehörige im häuslichen Umfeld, Hundetraining, Übersetzungen oder Unterstützung bei Behördengängen:
Über 30 Heilbronner*innen haben sich bereits mit einem äußerst vielseitigen kostenlosen Angebot dem Nichttun-Kollektiv angeschlossen.
Harry Mergel, Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn, freut sich über die Initiative: „Ein Herz für seine Mitmenschen zu haben, ist gerade in dieser für viele Menschen sehr schwierigen Zeit besonders wichtig und fördert das gute Miteinander unserer vielschichtigen Stadtgesellschaft.“
Mitmachen! Buchung und weitere Informationen zu den eingereichten Projektideen unter:
www.bund-der-folgenlosen.de

Für alle Städte, Kommunen, Vereine und Initiativen, die sich der Idee anschließen wollen, bietet die „Hauptstadt der Folgenlosigkeit“ unter folgenden Adressen Beratung und Unterstützung an:
nichttun-kollektiv@bund-der-folgenlosen.de / nichtstun-kollektiv@bund-der-folgenlosen.de

© Nico Kurth

Stipendium für Nicht(s)-Tun

Nicht(s)tun-Kollektiv

17. November 2022, 10:37 Uhr

Das Nicht(s)tun-Kollektiv ist ein Zusammenschluss von Bürger:innen, die ihre Talente und Fähigkeiten anderen unentgeltlich zur Verfügung stellen wollen. Sie folgen der Prototyp-Idee und dem Vorbild des Gewinners des Stipendiums für Nicht(s)-Tun Jonas Kachel.

BUCHUNGSANFRAGEN AN DAS NICHT(S)TUN-KOLLEKTIV AN:
nichttun-kollektiv@bund-der-folgenlosen.de
nichtstun-kollektiv@bund-der-folgenlosen.de

Beratung

Weshalb ich mitmache: mein Einstieg in das Stipendium fürs Nicht(s)-Tun war als Demokratiemoderatorin.  Ich habe an mehreren Tagen verschiedene Ideen der Bewerber:innen kennengelernt. Ich war von der Vielfalt, der Fülle an Ideen und das Engagement der Teilnehmer:innen fasziniert. Insbesondere die Idee von Jonas Kachel inspirierte mich. Ich hatte mir im Vorfeld auch Gedanken gemacht, was ich als Bewerberin hätte anbieten können, doch ich hatte keine zündende Idee. Als Jonas dann seine vorstellte, war mir sofort klar, da will ich auch mit machen.

Als freiberufliche Therapeutin begegnen mir auch in meinem Berufsalltag u.a. die Themen Folgenlosigkeit in den Beratungsprozessen meiner Klient:innen. Egal, um welches Thema es sich handelt, die Personen möchten für sich klären, was bzw. ob sie etwas ändern können. Manchmal liegt die Lösung von Problemen darin, etwas nicht mehr zu tun.

Ich persönlich vertrete die Haltung, wenn ich mir eine Veränderung wünsche, dann ist es an mir, einen ersten Schritt zu tun. Mit Blick auf unsere Gesellschaft wünsche mir mehr soziales Engagement und ein gemeinsames Miteinander in der Gesellschaft. Aus diesem Grund finde ich Jonas seine Idee so genial und möchte seiner Idee folgen. 

Ich biete 3 Menschen jeweils 3 kostenfreie Beratungen im Zeitraum von September bis November, dann nochmals von Januar bis März 2023 drei weiteren Personen.  Als Chance für sich zu schauen, was sie in ihrem Leben ändern möchten und ich helfe ihnen dabei, hierfür Ideen zu entwickeln. 

In dem ich aktiv werde, höre ich auf, mich über die scheinbare Gleichgültigkeit in der Gesellschaft zu ärgern.

Krankenpflege

Viele Begegnung bleiben folgenlos, manche aber sind sehr folgenreich oder bestimmen sogar das weitere Leben in den unterschiedlichen Lebensabschnitten. Ich als Fachkrankenpfleger möchte gerne im Projekt »Heilbronn – Hauptstadt der Folgenlosigkeit« Menschen unterstützen, die ihr Handeln für pflegebedürftige Angehörige einsetzen. Ich biete deshalb im Rahmen des Projektes drei Anleitungen für pflegende Angehörige an, wie sie in der häuslichen Pflege, ihre eigene Beweglichkeit verbessern können und Bewegungen des zu Pflegenden mit weniger Kraft unterstützen. Die Anleitung findet im häuslichen Umfeld statt und wird an drei pflegende Angehörige vergeben. Pro Anleitung ist ca. 1 Stunde veranschlagt. Gleichzeitig suche ich eine Pflegekraft, die mein Projekt der kostenlosen häuslichen Anleitung in ähnlicher oder anderer Form weiter führt.

Fotografie

© Katharina Kraus

Durch Jonas Kachel und seinem Gewinn des »Stipendiums fürs Nicht(s)-Tun« habe ich von dem Projekt »Heilbronn – Hauptstadt der Folgenlosigkeit« erfahren. Die Idee hat mich sofort angezogen, wusste dennoch nicht gleich, was ich mit meiner Begeisterung anfangen oder beitragen könnte.
Seit 20 Jahren bin ich leidenschaftlich Fotografin. Vor einigen Jahren habe ich mich dazu entschieden, einen neuen Weg auf dieser Reise zu gehen. Ich spürte wie ich selbst und auch viele meine Kund:innen auf dem Weg zu mehr Selbsterkenntnis, Selbstliebe und Heilung sind. Mit meiner Fotografie kann ich Menschen in einen inneren Raum führen und ihnen dazu verhelfen, etwas in ihnen sichtbar zu machen und sie somit auf ihrem persönlichen Weg der Transformation und Selbsterkenntnis begleiten. Indem ich mich hier mit meiner Arbeit einbringe, bekomme ich das Gefühl, aktiv etwas an unsere Gesellschaft zu geben, in der wir derzeit so oft so machtlos dastehen und nicht weiter wissen. Ich möchte drei Menschen ein Seelen-Fotoshooting schenken als Beitrag zu mehr Heilung, mehr Menschlichkeit und Verbundenheit. Die Shootings werden im Zeitraum Oktober-Dezember an einem Montag nachmittag stattfinden.

Hundetraining

Hallo, ich heiße Celin und mache seit Juni 2022 eine Ausbildung zur Hundetrainerin. Ich liebe Hunde über alles und möchte mich jetzt und in Zukunft dafür einsetzen, dass wir mit unseren vierbeinigen Freunden ein noch schöneres Zusammenleben führen können. Daher biete ich kostenfreies Hundetraining für Hund und Halter*in an und unterstütze euch im Alltag, beim Grundgehorsam und bei kleineren Baustellen so gut ich kann. Dabei arbeite ich absolut gewaltfrei und hundgerecht, damit alle Beteiligten Spaß haben und gerne gemeinsam lernen. Die Dauer und Häufigkeit des Trainings sprechen wir gemeinsam ab, in der Regel treffen wir uns alle 1-3 Wochen für etwa eine Stunde.

Ich schließe mich dem Nichttun-Kollektiv an, weil ich meine Fähigkeiten im positiven Hundetraining sehr gerne teilen möchte und die Welt mit glücklicheren Hunden und Menschen noch schöner wird.







Mentaltraining und Gassi-Runden

Ich bin Isabelle, ausgebildete Mentaltrainerin und unterstütze Menschen, Klarheit und mentale Stärke zu entwickeln. Klarheit darüber, wer sie sind und was sie wollen, und die mentale Stärke, die es braucht, um genau das auch wirklich umzusetzen. Wenn das für dich interessant klingt, biete ich dir kostenfrei ein circa sechswöchiges Klarheits-Coaching an. 
Außerdem übernehme ich gerne Gassi-Runden mit deinem Hund in der Innenstadt: 1 Mal pro Woche, open end. Ich bin hundeerfahren, zeitlich flexibel und meine Haftpflichtversicherung deckt das Führen von Hunden Dritter ab. ;)
Warum ich mitmache? Weil ich glaube, dass wir alle mehr geben könnten, ohne dadurch etwas zu verlieren – ganz im Gegenteil. 

Malerarbeiten und Malerei

Wer bist du?
Ich heiße Anneliese und bin Malerin. Schon während meiner Ausbildung bei der Firma Plieninger in Heilbronn habe ich gemerkt, dass mir dieses Handwerk liegt und meine kreative Ader weckt.
Welche Leistung bietest du unentgeltlich an und wie oft?
Ich werde bei entsprechender Buchung ein Bild unentgeltlich malen. Hierzu benötige ich lediglich eine Leinwand, die mir zur Verfügung gestellt wird. Pro Woche kann ich ein Bild malen. Über das Motiv stimme ich mich gemeinsam mit der buchenden Person ab.
Ursprünglich wollte ich als Maler- und Lackiererin Menschen einmal pro Woche, beim Streichen und Tapezieren unterstützen. Ich erhoffe mir aber, dass dies eine Malerfirma übernimmt und 10% ihrer Arbeitsleistung unentgeltlich zur Verfügung stellt.
Was ist dein Projekt bzw. Beitrag?
Mein Beitrag ist die Förderung von Kunst und Handwerk. Ich helfe gerne anderen Menschen. Lasst uns zusammen die Welt ein bisschen bunter machen.
Warum schließt du dich Jonas Vorbild und seinem Nichttun Kollektiv an?
Ich war ebenfalls Bewerberin und verfolge dieses Projekt schon seit Beginn. Mir ist es wichtig, auch nach der Bewerbungsphase weiterhin ein Teil zu sein. Zudem finde ich die Idee von Jonas sehr wichtig, es ist an der Zeit, dass wir uns wieder gegenseitig helfen und unsere Stärken für Andere auch ohne Gegenleistung einbringen. Mit meinem Talent mache ich mir sehr gerne auf die Reise und folge dieser Idee...

Stipendium für Nicht(s)-Tun

200 HEILBRONNER:INNEN SETZEN IHR KÖNNEN FÜR ANDERE EIN

18. Oktober 2022, 10:52 Uhr

Alle Bewerber:innen um ein Stipendium für Nicht(s)tun werden bis Mai 2023 ihre Talente und Fähigkeiten für andere einsetzen. Diese Entscheidung fiel beim rauschenden Finale des Stipendiums am Samstag, 15. Oktober 2022, im Mobilat Heilbronn. Dort stellten die Stipendiat:innen für Nicht(s)tun ihre mit insgesamt 15.000 Euro geförderten Ideen für ein Leben vor, das keine negativen Folgen für andere Menschen, Lebewesen und die Umwelt hat. Eine davon wird nun bis Ende der Projektlaufzeit der „Hauptstadt der Folgenlosigkeit“ von über 200 Heilbronner*innen in die Stadt getragen.

Sich einer der ausgezeichneten Vorhaben anzuschließen war einzige Bedingung für die Bewerbung um ein Stipendium für Nicht(s)tun, für das über 200 Heilbronner:innen ihre Ideen eingereicht hatten. „Es ist wichtig, dass wir Menschen uns untereinander unterstützen, ohne dass wir dafür immer eine Gegenleistung erwarten. Dazu will ich einen Beitrag leisten. Das Ganze soll jedoch keine Eintagsfliege sein, darum haben wir ein Nichttun-Kollektiv gegründet, über das Menschen einen Teil ihrer Fähigkeiten und Talente anderen unentgeltlich zur Verfügung stellen können,“ sagt Jonas Kachel. Als Stipendiat konnte Jonas Kachel drei Monate lang seine Idee für ein folgenloses Leben im Selbstversuch testen: Er hat sein Wissen als Koch mit privaten Haushalten geteilt und in über 20 unbekannten Küchen in Heilbronn kostenlos mit den dort vorhandenen Zutaten gekocht, um der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzutreten.

Mit dieser Idee hatte sich Jonas Kachel am Finalabend in einer Publikumswahl gegen seine Mitfinalist:innen Angela Manetto, Larissa Sperrfechter und Bastian Eider durchgesetzt. Im Vordergrund des Finales, das von Interventionen des Stadtschreibers Alexander Estis und der Theatergruppe der Wohnungslosenhilfe Heilbronn begleitet war, stand die Frage, wie die Ideen der Stipendiatinnen konkret auf die Stadtgesellschaft übertragen und von den Heilbronnerinnen nachgeahmt werden können. Dem von Jonas Kachel initiierten Nichttun- Kollektiv sind am Finalabend bereits über 50 Personen beigetreten.

Zu den weiteren Stipendiat:innen für Nicht(s)tun: Angela Manetto hat drei Monate lang als Leiterin der Jugendherberge Heilbronn die Speisekarte umgestellt, einmal wöchentlich auf Fleisch verzichtet – und 572 kostenlose, gesunde Mittagessen angeboten. Larissa Sperrfechter hat sich in Konsumverzicht geübt, indem es sich die 31jährige Besitzerin eines Vintage-Shops zur Vorgabe machte, drei Monate lang nichts Neues zu kaufen. Bastian Eider und Benedikt Supper wollen den Blick für Kinderarbeit bei der Rohstoffgewinnung schärfen und appellieren an die Eigenverantwortung und das persönliche Konsumverhalten.

Das Stipendium für Nicht(s)tun ist Herzstück des urbanen Versuchslabors „Hauptstadt der Folgenlosigkeit“, das in einer einmaligen Kooperation von über 20 Akteur*innen und Institutionen in Heilbronn der Frage nachgeht, wie wir zukünftig leben wollen. In einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm stellt das Kunst- und Stadtentwicklungsprojekt bis Mai 2023 die Folgenlosigkeit auf den Prüfstand – als Ideal, Utopie und Chance.

Termine

Heimat Natur

Dienstag, 29.11.2022 — 20:00

Kinostar Arthaus Heilbronn — Tickets

Folgenlosigkeit im Kinostar Arthaus

Heimat Natur
1 Std. 40 Min.
Dokumentarfilm
Regie: Jan Haft

Heimat ist da, wo wir aufwachsen oder uns dauerhaft niederlassen. Und diese Heimat ist stets auch von Natur geprägt. Diese verändert und gestaltet der Mensch heute mehr als jedes Naturgesetz. HEIMAT NATUR ist eine bildgewaltige Reise durch die Natur unserer Heimat, von den Gipfeln der Alpen bis an die Küsten und in die Tiefen von Nord- und Ostsee. Dazwischen liegt ein filmischer Streifzug durch dampfende Wälder, flirrende Moore, über rosa blühende Heiden und die bunte Kulturlandschaft rings um unsere Dörfer und Städte. In außergewöhnlichen Bildern zeigt er diese Natur von ihrer schönsten Seite, und untersucht dabei den Zustand der heimischen Lebensräume. Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen sowie intime Aufnahmen von wohlvertrauten und unbekannten Arten, manche zum ersten Mal gefilmt, machen den Film zu einem cineastischen Naturerlebnis für die ganze Familie.

Ruhe spüren und Energie tanken

Samstag, 10.12.2022 — 15:00

Jugendherberge Heilbronn — Anmeldung

Meditation und Nichts‑Tun

Advents-Verschenk-Markt

Sonntag, 11.12.2022 — 11:00

Jugendherberge Heilbronn, Paula-Fuchs-Allee 3, 74076 Heilbronn

Eine Kooperation der Stipendiat:innen für Nicht(s)-Tun: J. Kachel, Jugendherberge Heilbronn, G. Kopietz-Sommer, L. Sperrfechter